Wann zerbricht der Euro?

Wie lange kann sich eine künstliche Gemeinschaftswährung souveräner Staaten halten?

Schon lange vor der Einführung des Euro am 1. 1. 2001 machte ich auf die fatalen Folgen der bevorstehenden Gemeinschaftsaktion aufmerksam. Deutschland verfügte mit der D-Mark über die angesehenste Währung der Welt! Wozu also das waghalsige Experiment, bei dem es viel zu verlieren und kaum etwas zu gewinnen gab?

Meine damals aufgestellten Befürchtungen haben sich indes bestätigt. Das Unheil begann bereits damit, dass sogar Deutschland trotz mancher Bilanzkosmetik sich außer Stande sah, die vereinbarten vier Muss-Kriterien zum Einstieg zu erfüllen.

Diese eigenen Vorgaben haben am Ende keinen Verantwortlichen mehr interessiert - der Zug war im Vorfeld längst abgefahren. Und obwohl 80 Prozent der Bevölkerung sich damals eindeutig gegen den Euro aussprach, wurden die Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt. So funktioniert nun einmal unsere Demokratie.

 

Kann eine Einheitswährung verschiedener Staaten überhaupt funktionieren?

Schon im Grundprinzip entbehrt der Euro jeglicher Logik und Vernunft. Denn eine Gemeinschaftswährung kann nun einmal nicht mehr auf die speziellen Belange und die Wirtschaftskraft eines einzelnen Landes reagieren.

 

Euro trotz unterschiedlicher Inflationsraten?

Die Inflationsrate und das daraus resultierende Zinsniveau entwickeln sich bekanntlich in jeder Volkswirtschaft unterschiedlich. Der Nationalstaat muss auf diese zentralen Werte eingehen und auch die Finanzmärkte stellen sich darauf ein.

Der Euro aber untergräbt diese natürlichen Marktmechanismen. Er muss einen Mittelwert bilden, muss die unterschiedlichen Inflationsraten in den Ländern unter einen Hut bringen.

 

Euro trotz unterschiedlicher Haushaltsdefizite und Staatsverschuldungen?

Auch auf anderen Gebieten muss der Euro die extremen Diskrepanzen überbrücken. Griechenland zum Beispiel wird in diesem Jahr sein Haushaltsdefizit auf etwa zwölf Prozent des BIP ausdehnen - nur drei Prozent sind zulässig.
In Griechenland droht bereits wegen der bestehenden hohen Staatsverschuldung der Staatsbankrott - der Euro bzw. die Eurostaaten werden letztlich diese Auswüchse ausbügeln müssen.

 

Der Euro verhindert die überfällige Marktkorrektur!

Angesichts der Weltwirtschaftskrise 2009 wird es wieder einmal überdeutlich: Wie soll eine Gemeinschaftswährung auf die unterschiedlichen Entwicklungen in den Partnerländern reagieren?
Die Krise führte in den USA zu einer raschen Abwertung des Dollar, wodurch deren Exporte erleichtert werden und Importe sich verteuern. Ausländische Investoren planen deshalb vermehrt neue Fabriken in den USA.

Der Euro aber verhindert diese automatische Korrektur, weil es eben nicht mehr um die Probleme und die Wirtschaftskraft eines einzelnen Landes geht.

Hätte Griechenland noch seine Drachme, würde diese schnell der tatsächlichen Wirtschaftskraft angepasst - damit würde auch in Griechenland die heimische Wirtschaft gestützt, es würde vermehrt im eigenen Land produziert.

 

Die Europäische Zentralbank ist überfordert!

Ich stehe den Zentralbanken ohnedies sehr skeptisch gegenüber, weil sie meines Erachtens viel zu mächtig sind und Geld und den Diskontsatz frei "erfinden" können.

Eine Europäische Zentralbank aber, die auch noch die unterschiedlichsten Interessen berücksichtigen muss, ist für mich die reinste Horrorvision. Für die (Fehl)Entscheidungen der EZB haftet nicht mehr ein einzelnes Land (was sich dann über den Wechselkurs regulieren würde), sondern die gesamte Euro-Staatengemeinschaft.

 

Das Volk wurde mit Nebensächlichkeiten beschwichtigt!

Die berechtigten Bedenken der Bevölkerung vor der Einführung des Euro wurden mit nebensächlichen Argumenten erstickt. Den Bürgern wurde geschickt vorgegaukelt, wie toll doch alles sei: Bequemes Reisen in der Euro-Zone, kein lästiges Geldumtauschen mehr, einfachere Preisvergleiche im Ausland usw.

Es wurde unterstellt, dass der Euro zu nie gekannter Transparenz und damit zu allgemeinen Preisnachlässen führen würde (was sich nicht bewahrheitet hat - die allgemeine Kaufkraft ist gesunken).

 

Der länderübergreifende Dumpingwettbewerb wurde weiter angeheizt!

Vor allem bei den Löhnen erwies sich der Euro als großes Handicap. Denn während die Waren in den einzelnen Ländern immer noch zu recht unterschiedlichen Preisen feilgeboten werden (Medikamente und Pkws sind in manchen Ländern trotz aller Preistransparenz wesentlich günstiger als in Deutschland), führte die bessere Vergleichbarkeit der Löhne zu weiteren realen Lohneinbußen in den Euro-Hochlohnländern.

Warum noch in Deutschland produzieren, wenn in anderen Euro-Staaten die Arbeit viel billiger ist und der Euro auch noch eine Planungsstabilität garantiert? Der Euro bescherte den Investoren in den Euro-Billiglohnländern endlich eine stabile Währung und erhöhte auch die politische Zuverlässigkeit dieser Länder.

 

Wie kann der Euro gerettet werden?

Da gibt es eigentlich nur Eines: Wenn man den Euro wirklich unbedingt erhalten will, müssten sich alle Teilnehmerländer zu einer echten Einheit, also zu einem einzigen Nationalstaat zusammenfügen. Wenn überall in der Eurozone einheitliche Regeln und Gesetze gelten (besonders bei den Steuern und Sozialgesetzen), dann ist auch die Existenz einer Einheitswährung berechtigt. Dieser Einheitsstaat bräuchte dann natürlich auch eine echte Zentralregierung.

Denkbar wäre zum Beispiel, dass zunächst Frankreich und Deutschland sich vereinigen, eine übergeordnete Regierung bilden (Regierungssitz Paris) und so allmählich auch das Nationalbewusstsein zusammenwächst. Der deutsche Bundestag und Bundesrat würden aufgelöst, die deutschen Abgeordneten würden dann zusammen mit den Franzosen ein einheitliches Parlament bilden.

Für die meisten Deutschen stellt ein solcher Zusammenschluss kein großes Problem, denn das Nationalbewusstsein wurde unserem Volk weitgehend ausgetrieben - fraglich ist vielmehr, ob die Franzosen (selbst bei einem Regierungssitz in Paris) eine Aufgabe ihrer gewohnten Selbständigkeit akzeptieren könnten.

Dabei waren sie es doch eigentlich (bzw. ihre Regierung), von denen der ganze Eurowahn ausging. Die französische Politik war es, die vor 20 Jahren vor der Deutschen Einheit Bammel hatte und ein Entgegenkommen in Form des Euro forderte.

 

 

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 © Manfred J. Müller, Flensburg

 


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Manfred Julius Müller analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten. Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a. "Das Kapital und die Globalisierung".

 

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