Trotz Globalisierung zu Lasten der alten Industrienationen ist der Wohlstand in weiten Teilen der Welt noch nicht angekommen. Die weltweiten Spekulationen in Rohstoffe machen jetzt viele Grundnahrungsmittel noch teurer.

 

Manfred Julius Müller

Wie schafft der Kapitalismus weltweit einen hohen Wohlstand?

Keine Frage, auch die Chinesen, Inder, Afrikaner usw. haben ein Anrecht auf ein menschenwürdiges Leben und auf einen ebenso hohen Wohlstand, wie wir ihn (noch) genießen können. Deshalb verfolge oder empfehle ich auch keine Ziele, die nur Deutschland oder dem Westen nützen oder retten.
Deshalb ereifere ich mich auch nicht darüber, wenn im großen Maße Technologietransfer nach Asien und in die dritte Welt betrieben wird. Ich begrüße diese Entwicklung sogar, auch wenn sie für Deutschland schädlich ist. Alle Menschen dieser Erde sollen in den Genuss hochwertiger Produkte kommen und aus dem menschlichen Erfindergeist und dem technischen Fortschritt ihren Nutzen ziehen.

Wie aber nun lässt sich ein weltweiter Wohlstand erzielen?

 

1. Auch ohne Globalisierung können Entwicklungsländer aufsteigen!

Die Vergangenheit hat genügend Beispiele geliefert - der Aufstieg eines Entwicklungslandes ist nicht abhängig von der weltweiten Ächtung der Zölle.
Ohne Zölle hätte man in den westlichen Ländern einen kontinuierlichen Wohlstandszuwachs, da wäre es ein Klacks, 2 oder 3 % des BIP in die Entwicklungshilfe zu stecken.
Ohne Zölle regiert das Kapital, die Investoren verlangen und bekommen Subventionen und Billiglöhne, der Staat hat kein Geld und muss auch bei der Entwicklungshilfe knausern.

 

2. Die Lohnkostenreform schafft ebenfalls Verteilungsspielräume

Wenn man Zölle grundsätzlich ablehnt - auch die von mir empfohlene Lohnkostenreform (Finanzierung der Sozialsysteme über die Mehrwertsteuer) saniert langfristig den Staatshaushalt und ermöglicht damit höhere Unterstützungszahlungen an die Entwicklungsländer.

 

3. Das Lohndumping-Einfuhrverbot

Ich habe bereits an anderer Stelle das Lohndumping-Einfuhrverbot empfohlen, um den importierten Lohndruck von außen zu mindern. Ich meine, ein solches System nützt auch der Gegenseite, also den Entwicklungsländern. Denn die Markenhersteller (und auf die kommt es an) können dann nicht mehr einen Zulieferer gegen den anderen ausspielen und ihre Einkaufspreise immer weiter runterknüppeln. Steigende Löhne in den Entwicklungsländern bedeuten zunehmende Kaufkraft - und inländische Kaufkraft ist noch immer der beste Motor für einen eigenen, selbstragenden Aufschwung. (Näheres).

 

4. Renten als Entwicklungshilfe

Was würde geschehen, wenn in einem korruptionsfreien afrikanischen Entwicklungsland jeder über 65-Jährige aus unserer Staatskasse eine Monatsrente von 10 Euro bekäme (im Rahmen der deutschen Entwicklungshilfe)?
Man erreicht damit vermutlich Zweierlei: Es wird breitflächig Kaufkraft gestreut und damit die Grundsaat für einen Wirtschaftsaufschwung gelegt und zweitens wird der (ökonomisch und ökologisch schädlichen) Bevölkerungsexplosion entgegengewirkt (Kinder wären als Alterssicherung nicht mehr erforderlich). Einzige Voraussetzung für ein Funktionieren dieses Rentensystems: Importierte Konsumartikel müssten in dem geförderten Land extrem hoch verzollt werden, damit die eingeführte Kaufkraft nicht gleich wieder ins Ausland abfließt.

Warum dieses Rentensystem also nicht einmal bei einem kleinen afrikanischen Staat austesten?

 

5. Internationale Einnahmequellen für die Entwicklungshilfe

Ich habe es schon an anderen Stellen angesprochen: Wie schön wäre es, würde endlich der Treibstoff für den internationalen Flug- und Schiffsverkehr angemessen besteuert. Damit würde die Umwelt mehr entlastet als mit dem komplizierten Handel mit Emissionszertifikaten. Wenn die Einnahmen direkt über eine Weltbehörde eingezogen und in die Entwicklungshilfe fließen würde, hätten alle was davon.

Aber auch hier bestätigt sich meine Skepsis: Selbst bei einfacheren Maßnahmen, die seit Jahrzehnten überfällig sind und von den fast alle nur Nutzen hätten, sind internationale Abkommen nahezu utopisch.

 

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 © Manfred J. Müller, Flensburg

   


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