Beschäftigte in Deutschland

Würde es in Deutschland noch wie einst vernünftige Zollgrenzen geben, könnte der Konsumbedarf weitgehend über Eigenproduktionen gedeckt werden.
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten würde von 27 auf 37 Millionen ansteigen. Das hieße
Vollbeschäftigung.
Damit würde auch das inländische Lohndumpingsystem zusammenbrechen - die allgemeine Kaufkraft und die Reallöhne wären etwa doppelt so hoch wie heute.

Macht die Globalisierung blind?

Schafft die Globalisierung wirklich Arbeitsplätze und Wohlstand?

Manfred Julius Müller

Trotz Weltwirtschaftskrise beharren viele Politiker stur auf ihren alten Parolen. Immer noch behaupten sie, "die Globalisierung schaffe Wohlstand und Arbeitsplätze". Doch wo finden sich diese Arbeitsplätze?

 

Textilindustrie: Deutschland importiert 97 % seiner Textilien!
In den 1970er Jahren arbeiteten in Deutschland (BRD und DDR) noch 1,2 Millionen Menschen in der Textil- und Bekleidungsindustrie. Inzwischen wurden dort über eine Million Arbeitsplätze abgebaut.

Der gleiche Trend vollzog sich in fast allen anderen Produktionsbereichen:

Haushaltsgeräte: Fast alles wird importiert!
Nur ein kleiner Teil der in Deutschland verkauften Toaster, Mixer, Elektro- und Gasherde, Waschmaschinen, Trockner, Staubsauger, Kühlschränke, Geschirrspüler usw. wird noch im eigenen Lande hergestellt.
Ist es gut und richtig, dass wir andere Nationen für uns arbeiten lassen und im Gegenzug zehn Millionen Erwerbsfähige einfach aufs Abstellgleis schicken, sieht so
die internationale Arbeitsteilung aus?

Büromaschinenindustrie: Woher kommen die Kopierer?
Auch die einst bedeutende deutsche Büromaschinenindustrie ist nahezu sang- und klanglos untergegangen. Wieviel Kopiergeräte, Drucker, Computer, Registrierkassen usw. werden heute noch im einstigen Wirtschaftswunderland hergestellt?
Arbeitskräfte wären genügend vorhanden, um zumindest den Eigenbedarf zu decken. Aber der Staat will das nicht! Er verzichtet lieber auf Zölle und überlässt die Zukunft dem
freien Spiel der Kräfte. Wer im Ausland am billigsten produziert, der gewinnt. Aber Deutschland verliert!

Unterhaltungselektronik und Informationstechnologie:
Auch hier ging eine Ära zu Ende!
Deutsche Rundfunkgeräte, Fernseher, Plattenspieler, Tonbandgeräte usw. genossen einst Weltruf. Aber den globalen Dumpingwettbewerb konnte auch diese Branchen nicht überleben. TV-Geräte, Radios, CD-Player, Spielekonsolen, Handys, Telefone usw. werden heute weitgehend importiert.

Möbel, Lampen, Sanitäranlagen, Heimwerkerbedarf - überall ist die deutsche Produktion auf dem Rückzug! Die breitflächige schleichende Vernichtung deutscher Arbeitsplätze haben anscheinend viele Politiker noch immer nicht so recht begriffen (sie fallen auf ihre eigene Bilanzkosmetik herein).
Ansonsten würden sie handeln, würden den internationalen Schmusekurs beenden und wieder die Zölle auf das Niveau früherer Zeiten anheben. Wer als Verbraucher meint, er profitiere letztlich von den günstigen Billigimporten,
irrt sich gewaltig.

 

Foto-, Spielwaren-, Haushaltswarenindustrie - nichts geht mehr...
Wo man auch hinschaut - es gibt bis auf wenige Ausnahmen keinen Bereich, der nicht vom globalen Dumpingwettbewerb erfasst und weitgehend ausgerottet wurde.
Wie stolz konnten wir einst sein auf unsere Fotoindustrie! Fotoapparate, Filmkameras, Blitzgeräte, Fototaschen, Stative, Fotopapiere, Filme - alles war "made in Germany". Und heute?
Der Spielzeugindustrie erging es nicht besser, ebenso wie den vielen anderen Branchen. Und immer noch heißt es dreist: "Wir profitieren vom Export, von der Globalisierung, von der EU".

 

"Aber wir sind doch Exportweltmeister!
70 % unserer Autos werden im Ausland abgesetzt!"

Von allen Produktionsbereichen sind uns lausige drei Branchen geblieben, in denen wir international noch mithalten können. Diese drei Paradedisziplinen werden uns unentwegt vor Augen geführt als Beweis für die wohlstandsfördernden Auswirkungen der Globalisierung.

Doch bei seriöser Betrachtung wurden nicht einmal in der Autoindustrie durch den hohen Exportanteil Arbeitsplätze geschaffen. Das hängt damit zusammen, dass die Fertigungstiefe Jahr für Jahr abnimmt. Immer mehr vorgefertigte Teile stammen aus dem Ausland. In den großen deutschen Werken werden diese Komponenten dann zusammengefügt.

In der deutschen Autoindustrie gibt es derzeit noch 800.000 hart umkämpfte Arbeitsplätze. Aber die hätten wir auch (mindestens), wenn Deutschland nur für den eigenen Markt produzieren würde und kein einziges Auto (und keine Fertigteile) exportieren oder importieren würde.

Selbst in unserer Vorzeigebranche (der Autoindustrie), gibt es durch die Globalisierung also keinerlei Arbeitsplatzgewinne.

Wenn wir einen kleinen Blick in die Zukunft wagen, trüben sich die Aussichten weiter ein. Wenn in Indien bereits vollwertige Autos für 1700 Euro zu haben sind wird deutlich, wohin die Reise geht.
Auch China wird den Weltmarkt in einigen Jahren mit preiswerteren und technologisch hochentwickelten Autos aufrollen wollen. Bei den dann möglichen Dumpingpreisen hätten die alten Industrienationen absolut keine Chance, sie könnten nicht mehr mithalten. General Motors wird nicht der letzte Autogigant sein, der ohne Staatshilfen längst pleite wäre.

 

Auch im Maschinenbau und der Chemie wird sich der gleiche qualvolle Überlebenskampf abspielen.

Auch die beiden letzten deutschen Vorzeigeindustrien (Maschinenbau und Chemie) werden früher oder später von der ausländischen Billigkonkurrenz überrollt werden. Man muss kein Finanz- oder Wirtschaftsgenie sein um zu erkennen, dass Hochlohnländer bei Stundenlöhnen von ein bis zwei Euro auf Dauer nicht mithalten können und in einem offenen (zollfreien) Weltmarkt letztlich zum Untergang verdammt sind.

 

Durch den zollfreien Weltmarkt verlor Deutschland etwa zehn Millionen Industriearbeitsplätze.

Die Ausrottung der meisten Industriebereiche in Deutschland bedeutet einen Verlust von etwa zehn Millionen Vollzeit-Arbeitsplätzen. Da die drei verbliebenen Produktionsbereiche trotz aller Exporterfolge keine echten zusätzlichen Arbeitsplätze schaffen konnten, bleibt unterm Strich ein Totalverlust von zehn Millionen Arbeitsplätzen.

 

In Deutschland gibt es ca. 27 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte.
Es könnten 10 Millionen mehr sein, wenn der Eigenbedarf an Konsumwaren wieder im eigenen Land produziert würde
(auch wenn im Gegenzug das Exportvolumen stark schrumpfen würde).

Die Behauptung, die 10 Millionen Arbeitsplätze seien durch die Automatisierung verlorengegangen, ist eine Volksverdummung ersten Ranges.

Angesichts von 10 Millionen verloren gegangenen Arbeitsplätzen im Zuge der Globalisierung ist es der reine Hohn, von einer Wohlstandsmehrung durch die Globalisierung zu sprechen.

Die negative Bilanz bestätigt sich durch die Entwicklung der realen Nettolöhne. Seit 1980 sind diese nämlich in Deutschland um mehr als 15 Prozent gesunken - obwohl der technische Fortschritt (das Produkivitätswachstum) eigentlich eine Verdoppelung des Wohlstands hätte erbringen müssen.

 

Wer behauptet, die Globalisierung schaffe Arbeitsplätze und Wohlstand, ist ein Narr oder Lügner.

Nicht einmal in den drei Topbranchen hat die Globalisierung Arbeitsplätze regeneriert. Im Gegenzug gingen bei den ehemals bedeutenden Industrien (in denen Deutschland oftmals Marktführer war) zehn Millionen Arbeitsplätze verloren. Das kostet dem Sozialstaat (den Steuerzahlern) ein Heidengeld.

Leider wird das wahre Ausmaß der Katastrophe durch Bilanzkosmetik stark vernebelt. Neben den statistisch ausgewiesenen Erwerbslosen belasten Millionen Frührentner unser Gesellschaftssystem. Anstatt an der Produktion der im eigenen Land benötigten Konsumgüter zu arbeiten und an den Staat Steuern und Sozialabgaben abzuführen, liegen die aufs Abstellgleis abgeschobenen Frührentner dem Steuerzahler auf der Tasche. Kaum besser steht es um die Millionen Menschen, die in 1-Euro-Jobs, ABM-Maßnahmen, Umschulungen und Praktika notdürftig untergebracht und der Arbeitslosenstatistik entzogen werden.

Unsere Gesellschaft leistet sich den Luxus, einen Großteil ihres Humankapitals abzuschreiben, nur weil sie meint, die benötigten Konsumartikel billig importieren zu können. Die Unterhaltskosten für diese zehn Millionen Menschen sind weit höher als das bescheidene Einsparvolumen durch die Billigimporte (mehr dazu...). Deshalb auch der Wohlstandsabstieg.

 

Hintergrund und Analyse:
Arbeitslosenstatistik: Die Vortäuschung eines Beschäftigungswunders!
Sind EU und Weltwirtschaft nur noch über eine Billiggeldschwemme zu retten?
"Deutschland profitiert..." Die dreisten Parolen der Demagogen.
Wie Demagogen die Öffentlichkeit manipulieren...

Startseite www.kapitalismus-online.de
© Manfred Julius Müller, Flensburg, 2009 (aber noch immer aktuell) Impressum

 

Ist die Welt nur über den Zoll zu retten?
Ich denke schon und sage das mit allem Nachruck! Das widerliche Lohn- und Steuerdumping lässt sich kaum anders als über schrittweise durchgeführte Zollanhebungen beenden. Über den Zoll bricht man die Übermacht des Großkapitals und unterbindet die allgegenwärtige Erpressbarkeit des Staates.
Wer den Kasinokapitalismus verabscheut, muss über den Zoll reden!
Die scheinheilige Ächtung des Zolls bei gleichzeitiger Tolerierung aller übrigen Protektionsmus-Abartigkeiten muss ein Ende haben! Wir brauchen endlich eine offene und ehrliche Debatte. Und die wird mit dem Kontrabuch eröffnet.

••••• NEU:

Kapitalismus, Zollfreihandel, Globalisierung:
DAS KONTRABUCH
Wie funktioniert die grenzenlose Ausbeutung?
Und was müssten unbestechliche Politiker dagegen tun?

Mit mehr Verständnis für die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge, einer Loslösung von den Irrlehren der Kapitallobby und der Wahnidee des globalen Dumpingwettbewerbs könnten die richtigen Schlussfolgerungen gezogen und notwendige Reformen eingeleitet werden. Dazu wären nicht einmal internationale Abkommen vonnöten. Jeder Staat könnte souverän handeln und sich somit aus der Zwangsjacke der einschnürenden Abhängigkeiten befreien. Daraus entstünde weltweit ein offener Wettbewerb über das beste Staats-, Demokratie- und Wirtschaftsmodell.
Autor Manfred Julius Müller, 100 Seiten, Format 17x22 cm, 8,90 Euro
Weitere Infos zum Buch. Bestellung zum Beispiel über www.amazon.de oder auch über den stationären Buchhandel.

Wann wird die Obrigkeit (das Establishment) ihre Deutungshoheit verlieren? Schon bald? Oder ist die Zeit noch nicht reif dafür?


Nachtrag 11.5.2019:
Der "böse" Herr Trump erhöht die Zölle auf Importe aus China …
Und wie wurde das in den Fernsehnachrichten wieder kommentiert? Sehr einseitig, wie ich meine (Gesinnungsjournalismus halt).
Da wurde dann abermals das Märchen vom drohenden Handelskrieg aufgetischt - und wie sehr dies der Weltwirtschaft und der USA schaden würde. Dabei entbehrt die angstschürende Prophezeiung jeder Logik. Die US-Wirtschaftsdaten belegen, dass die bisherigen Zollanhebungen (aller Unkenrufe zum Trotz) der USA gut bekamen!
Ausführlich wurde gestern mit einem konkreten Beispiel Stimmung gemacht. Die Geschichte eines US-Fahrradherstellers wurde erzählt, der Rahmen und Speichenräder aus China bezieht. Dessen Einkaufskosten steigen wegen des Zolls von 150 auf 170 Dollar. Und schon sehen die mitfühlenden Fernsehmacher die Existenz der US-Fahrradfabrik bedroht. Außerdem beklagen sie den Kaufkraftschwund der amerikanischen Bevölkerung.
Wie abgefahren ist das denn? Meinen Journalisten etwa, Zolleinnahmen seien verlorenes Geld? Mitnichten! Über die Einahmen aus den Zöllen könnte zum Beispiel das gesamte Gesundheitssystem finanziert werden, so dass kein US-Bürger irgendwelche Krankenversicherungsbeiträge zahlen müsste. Wäre das nichts, wäre das verwerflich?
Und was den Fahrradhersteller betrifft: Ist es wirklich ökologisch und ökonomisch sinnvoll, alle Komponenten aus fernen Erdteilen zu beziehen? Wenn sich 25-prozentige Zölle als Weltstandard durchsetzen, wird früher oder später das komplette Fahrrad wieder in den USA hergestellt werden. Bis zur letzten Schraube! Oder meint irgendjemand, die USA könnten so etwas nicht mehr, seien dazu zu dumm oder zu faul?

Der Kasinokapitalismus lebt …
Gestern ging übrigens auch der Taxivermittler UBER an die Börse. Obwohl UBER noch nie Gewinne erzielt hatte, wurde am gleichen Tag ein Börsenwert von 80 Milliarden Dollar ermittelt (UBER wäre demnach wertvoller als VW und BMW zusammen). Aber davon abgesehen: Gestern las ich auch, wie sehr die "selbstständigen" UBER-Taxifahrer ausgebeutet werden. Die meisten von ihnen kommen auf einen Stundenlohn von fünf Dollar. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in den USA!
Würden die USA wieder ihre Fahrräder (und die meisten ihrer Konsumartikel) im eigenen Lande herstellen, wäre UBERs Geschäftsmodell (das reguläre Taxis in den Ruin treibt) kaum überlebensfähig. Denn wer würde, wenn es wieder genügend Arbeitsplätze in der Industrie gäbe, noch für einen Stundenlohn von fünf Dollar arbeiten wollen?